Wie entwickelt sich die Immobiliensituation in Deutschland, welche Investitionen sind ratsam – und welche eher nicht? Zu dieser Frage haben die Postbank und das Hamburgische Weltwirtschaftsinstitut den umfassenden Wohnatlas 2018 vorgelegt. Dörte Nitt-Drießelmann, die an der Erstellung der Studie beteiligt war, stand uns dazu Rede und Antwort.

Dörte Nitt-Drießelmann, de Landkreis Cloppenburg in Niedersachsen gehört laut Wohnatlas 2018 zu den Top drei in puncto jährlicher Preisanstieg für Wohnimmobilien. Sie überrascht über das Ergebnis?

Nein. Wenn man sich die Zahlen des Landkreises anschaut, stellt man schnell fest: Genau wie für das baden-württembergische Heilbronn, das die Nummer eins in diesem Ranking ist, gilt auch für Cloppenburg, dass beide Landkreise auch künftig wachsen – sowohl durch Zuzug als auch, wie im Fall von Cloppenburg, durch überdurchschnittlich hohe Geburtenquoten. Dazu kommt, dass die Prognosen für eine gute wirtschaftliche Entwicklung sehr positiv sind. Das wird auch künftig zu steigenden verfügbaren Einkommen führen, die unter anderem für das Wohnen zur Verfügung stehen.

Heißt dass, die Deutschen zieht es immer mehr und immer weiter aufs Land?

Ja, und zwar mehr oder weniger notgedrungen, da sie sich ein Wohnen in der Großstadt nicht mehr leisten können. Bis 2030 werden die Immobilienpreise in den Metropolregionen weiter ansteigen, da die Nachfrage nach Wohnraum auch weiterhin das Angebot übersteigen wird. Allen voran in Deutschlands weiterhin teuerster Stadt, die wir ja eben schon erwähnt haben: München. Aber das gilt auch für die anderen Großstadtregionen.

Welche potenziellen Bewohner sind hier am stärksten betroffen?

Es fehlt dort vor allem an günstigem Wohnraum für kleinere Haushalte und Familien. Die Folge ist, dass die Schere zwischen Angebot und Nachfrage in wachsenden Metropolregionen immer weiter aufgeht. Zudem gilt auch noch: Steigen die Kaufpreise, steigen damit auch die Mieten. Und diese reagieren in der Regel sogar noch früher auf eine hohe Nachfrage, da viele Menschen ja zunächst in einer gemieteten Immobilie leben, bevor sie sich für einen Kauf entscheiden.

Ein durchaus überraschendes Ergebnis Ihrer Studie: Nordfriesland gehört derzeit zu den teuersten Kaufregionen Deutschlands. Wie ist das möglich?

Der Landkreis Nordfriesland ist eine sehr spezielle Gegend. Zu ihm gehören die heiß begehrten und sehr teuren Nordsee­inseln, insbesondere Sylt. Für besonders gut betuchte Käuferschichten sind die Immobilien dort als Anlageobjekt, Ferien- oder Altersresidenz extrem attraktiv – das treibt selbstverständlich die Preise nach oben. Mit ökonomischer Vernunft hat das allerdings nicht mehr viel zu tun, wenn der Kaufpreis für eine 70-Quadratmeter-Wohnung die Jahresnettokaltmiete um das 66-fache übersteigt.

Insgesamt gesehen haben die Immobilienpreise im vergangenen Jahr um mehr als fünf Prozent zugelegt. Wird der Trend in der Zukunft so weitergehen?

Nicht überall. Die Preise werden sich, wie bereits in den vergangenen Jahren, regional sehr unterschiedlich entwickeln. Für wirtschaftlich boomende und wachsende Regionen, wie beispielsweise München, aber auch für stark wachsende Landkreise wie Cloppenburg oder Städte wie das sehr zentral zwischen Frankfurt und Stuttgart gelegene Heilbronn erwarten wir eine weiter steigende lokale Wohnungsnachfrage. Diese kann selbst durch ein ausgebautes Angebot nicht gedeckt werden.