1. Die Suche

Über Beziehungen lassen sich manche Wartezeiten stark verkürzen – auch im Handwerk. „Fragen Sie deshalb in der Familie, bei Bekannten oder in der Nachbarschaft, ob jemand einen guten Fachmann empfehlen kann – und zwar frühzeitig, also schon ein paar Monate, bevor die Arbeiten beginnen sollen“, sagt Bauingenieur Johann Jakobs aus Hannover, der seit 20 Jahren als unabhängiger Berater im Bauherren-Schutzbund (BSB) aktiv ist. Sein Tipp: Auch wenn die Auswahl der verfügbaren Firmen eingeschränkt ist, sollten die potenziellen Auftraggeber nach der Qualifikation fragen oder darauf achten, dass der Unternehmer Mitglied in einer Innung oder in einem Berufsverband ist. Zu einer Suche über Online-Portale wie etwa My-hammer.de oder Blauarbeit rät der Bauingenieur nur, „wenn die Arbeiten keine besonderen Qualifikationen erfordern – es also zum Beispiel um das Ausschachten rund um das Haus oder um simple Abbrucharbeiten geht.“

 

  1. Der Auftrag

Je detaillierter die Auftragsbeschreibung, desto genauer wird das Angebot des Handwerkers ausfallen. Die Folge: Die einzelnen Offerten werden vergleichbarer und der Überraschungsfaktor in Sachen Kostensteigerung wird minimiert. „Verschaffen Sie sich eine klare Vorstellung darüber, was Sie eigentlich haben wollen“, rät Jakobs und empfiehlt zum Beispiel zu Besuchen bei Fachhändlern. Sie können auch Laien darüber informieren, welche Arbeitsschritte anfallen und wie viel Aufwand betrieben werden muss, um ein ansprechendes Ergebnis zu erzielen. Ebenfalls zu überlegen: Welche Arbeiten können die Hausherren in Eigenregie stemmen?

 

  1. Der Vergleich

„Holen Sie sich möglichst mehrere verbindliche Angebote ein und vergleichen Sie sie miteinander“, sagt VPB-Beraterin Lepper. Je konkreter das Angebot ausfällt, umso besser. Die Leistungsbeschreibungen und Mengenansätze, etwa die zu bearbeitenden Quadratmeter, sollten also realistisch sein. Pauschale Angaben wie beispielsweise „Arbeitsvorbereitung“ sollten sich Bauherren genauer erläutern lassen. „Fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstehen, weil Fachbegriffe verwendet wurden.“ Fällt das Angebot in ihren Augen zu hoch aus, können Bauherren versuchen, einige Zusatzleistungen im genannten Preis unterzubringen – zum Beispiel mit dem Hinweis auf ein Konkurrenzangebot. Oder sie locken den Handwerksbetrieb mit kurzen Zahlungszielen. „Aber auf keinen Fall sollten Sie in Vorkasse gehen“, warnt Lepper. Die dritte Möglichkeit, um den Preis zu senken: einfache Arbeiten aus dem Angebot herausnehmen. Doch Vorsicht: „Führen Sie keine Arbeiten selbst aus, für die im Schadensfall eigentlich die Handwerkergarantie eingesprungen wäre, wenn sie der Fachmann übernommen hätte“, so Jakobs und gibt ein Beispiel: die Abdichtungsarbeiten im Badezimmer.

 

  1. Die Ausführung

Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Auch wenn sich der Handwerker von der häufigen Anwesenheit genervt fühlt, sollten Bauherren regelmäßig die Baustelle aufsuchen und zum Beispiel mit Fotos die Fortschritte dokumentieren. „Fragen Sie öfter nach, ob alles in Ordnung ist oder ob es zu Verzögerungen kommt. Letztere können nämlich auch teuer werden“, empfiehlt Jakobs. Vor allem bei Altbauten läuft vieles nicht wie geplant. „Eine Kalkulationsreserve von 20 Prozent sollten Auftraggeber deshalb unbedingt vorhalten“, so der BSB-Berater. Wer das Gefühl hat, dass die Handwerker nur sporadisch bei ihm auftauchen und die ursprüngliche Terminplanung komplett obsolet ist, sollte rechtzeitig das baldige Ende der Arbeiten anmahnen. „Und zwar schriftlich, per Post, nicht per E-Mail, um im Streitfall abgesichert zu sein“, rät Jakobs.

 

  1. Die Abnahme

Schriftlich sollte auch die gemeinsame Abnahme der Bauarbeiten erfasst werden. „Am besten in einem Protokoll, das Auftraggeber und -nehmer unterschreiben“, sagt Lepper. Der Termin ist von besonderer Bedeutung, schließlich beginnt mit der Bauabnahme die Gewährleistungsfrist des Handwerkers. Gleichzeitig wird die Beweislast für eventuell auftretende Schäden auf den Bauherren übertragen, und er verpflichtet sich, die noch ausstehenden Zahlungen innerhalb der gewährten Frist zu leisten. „Wer sich nicht sicher ist, sollte einen Gutachter zur Abnahme mitnehmen, der ihn unterstützt“, rät Lepper.

 

  1. Die Beseitigung

Treten vor Abnahme oder während des Gewährleistungszeitraums Baumängel auf, die der Handwerker zu vertreten hat, muss der Auftraggeber ihm die Chance zur Nachbesserung geben. Hierfür sollte der Bauherr schriftlich, also auf dem Postweg mit Zustellungsnachweis, eine „angemessenen Frist“ setzen. Was das genau heißt, ist nicht definiert – und hängt auch von den anfallenden Arbeiten ab. Eine Dachausbesserung im Winter ist schließlich kaum sinnvoll. Ebenfalls vom Einzelfall abhängig ist die Zahl der Versuche, die der Fachmann zur Mängelbeseitigung hat. VPB-Beraterin Lepper: „Erst wenn die Nacherfüllung endgültig fehlgeschlagen ist, kann der Bauherr weitere Schritte einleiten“, so Lepper. Wer vorschnell handelt und zum Beispiel einen anderen Handwerker beauftragt, bleibt nämlich im schlimmsten Fall auf den doppelten Kosten sitzen: auf denen für den neuen und für den ursprünglichen Auftragnehmer.