Solarenergie Experten-Interview: Lohnt sich Photovoltaik noch?

Ein Haus mit einer Photovoltaik-Anlage auf dem Dach
Solarenergie zählt zu den wichtigsten regenerativen Energiequellen. Foto: iStockphoto/querbeet

Ein Gespräch über die Möglichkeiten der Solarenergie-Nutzung mit dem Architekten und Energieberater Leonhard Taglieber.

“Photovoltaik lohnt sich – wenn man den Strom selbst nutzt!”

Energieberater
Leonhard Taglieber. Foto: Taglieber

 

Die staatliche Förderung im Bereich Solarenergie wurde ja in den vergangenen Jahren drastisch gekürzt. Lohnt sich Photovoltaik überhaupt noch?

Ganz bestimmt!

Die Preise für die Anschaffung sind derart gesunken, dass sich Photovoltaik (PV) jetzt vor allem zusammen mit Batterien lohnt und dann auch recht schnell bezahlt macht. Die Batterien werden immer leistungsfähiger – das macht die ganze Sache lukrativer.

 

Es ist generell besser, den Strom selbst zu nutzen als ihn ins Netz einzuspeisen?

Ja genau! Nur so ist Solarenergie-Nutzung heute noch rentabel. Die Einspeisevergütung sinkt derzeit laufend, wir sind aktuell im Durchschnitt nur noch bei 12 Cent. Als Verbraucher zahlen wir im Moment aber im Schnitt vielleicht 27 Cent pro Kilowattstunde. So lohnt sich die PV-Anlage nur noch in Verbindung mit Eigenstromnutzung.

 

Geben Sie uns ein Beispiel …

Nehmen wir mal an, ich habe eine PV-Anlage auf dem Dach. Dann kann ich 30 bis 40 Prozent des erzeugten Stroms selber nutzen. Nachts, wenn ich viel Strom brauche, habe ich aber keine Produktion. Mit einer Batterie kann ich den tagsüber produzierten Strom speichern und liege dann irgendwann zwischen 70 und 80 Prozent, die ich selbst nutzen kann.

 

Sie leben in Oettingen in Bayern, einer sonnenreichen Region. Lohnt sich bei Ihnen eine PV-Anlage mehr als beispielsweise in Hamburg?

Wir haben in Süddeutschland sicherlich einen höheren Ertrag als in Hamburg. Aber ich würde dennoch sagen, dass sich bei den niedrigen Preisen einer Solaranlage und bei den dazu kommenden Förderungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) eine PV-Anlage auch in Hamburg lohnt. Vielleicht rechnet sich das ein, zwei Jahre später als in Bayern. Aber hochinteressant ist das auf alle Fälle – vor allem mit Blick darauf, dass man vom Stromnetz unabhängiger wird.

 

Wie ist es mit der Solarthermie, also Sonnenenergie, die Wärme erzeugt? Lohnt sich die ebenfalls?

Langfristig ja, wobei sich eine PV-Anlage schon schneller rentiert. Das Fraunhofer-Institut und andere Experten raten aber, dass man sich nicht für die bloß Warmwasser erzeugende Variante entscheiden sollte, sondern gleich für die auch heizungsunterstützende. Wenn ich eine Gas- oder Brennwertheizung einbaue, kann ich das ergänzen mit einem großen Pufferspeicher. Dann heize ich zusätzlich zu Öl, Gas oder Holz mit Sonnenenergie, die dort gespeichert wird.

 

Lohnt es sich denn für jeden, auf Solarenergie zu setzen?

Ich würde sagen für fast jeden, der ein kleines Haus hat. Es gibt ja Spezialisten dafür, die das dann ausrechnen. Zum Beispiel die Energieberatung vor Ort, die der Staat über Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) ja auch fördert.

 

Was raten Sie jemandem, der die Installation einer Solaranlage erwägt?

Bevor man in ein Bestandsobjekt investiert – auch und gerade in eine Solaranlage – sollte man eine vernünftige Energieberatung machen. Einen Energieberater vor Ort findet man über das Internetportal www.energie-effizienz-experten.de Lieber sollte man dafür ein kleines bisschen mehr ausgeben und sich dann auch gleich verschiedene Alternativen gegenüberstellen lassen.

 

Was könnten das für Alternativen sein?

Wenn zum Beispiel jemand zu mir kommt, der sein Fenster und Dach energetisch sanieren will, dann stelle ich erst einmal dar, was da zu tun ist und was das kosten wird. In der nächsten Variante schaue ich aber auch, ob man noch weitere Schwachstellen im Haus anpacken sollte. Können wir zum Beispiel noch die Heizungsanlage austauschen und so vielleicht auch in eine höhere Förderstufe bei der KfW rutschen? Ich lege für das Haus ein komplettes Konzept mit verschiedenen Möglichkeiten vor. Bei der Energieberatung sind eine Kostenschätzung und eine Fördermittelberatung dabei. Das alles kann der Kunde dann gegenüberstellen, Angebote einholen und in aller Ruhe eine Entscheidung fällen.

Im Gespräch: Leonhard Taglieber (www.avs-taglieber.de)