Haus erweitern Besser anbauen als umziehen

Anbaumodul von Schwörer Haus
Ohne großen Aufwand mehr Wohnraum schaffen – das klappt zum Beispiel mit einem Modulhaus. Foto: Schwörer Haus

Ein zusätzliches Kinderzimmer? Ein großzügiger Essbereich? Ein Homeoffice? Wenn’s in den eigenen vier Wänden zu eng wird: Einfach einen Anbau dransetzen oder bislang anders genutzte Flächen in Wohnraum umwandeln! Wir zeigen drei gelungene Beispiele.

Ein zusätzliches Kinderzimmer, ein großzügiger Essbereich oder ein Homeoffice: Es gibt viele Motive, um etwas mehr Platz zum Leben zu schaffen. Wie so ein Mehr an Wohnraum entstehen kann, zeigen die Häuser dieser drei Familien.

Umbau zum großzügigen Einfamilienhaus

Anbau
Der neue Anbau wirkt ganz für sich: Optisch setzt er sich elegant vom Altbau ab. Foto: Ulrich Helweg, Architektur: Ingo Gößling
Platz für modernen Wohnraum
36 Quadratmeter moderner Wohnraum wurden durch den Anbau dazugewonnen. Foto: Ulrich Helweg, Architektur: Ingo Gößling

2012 kaufte das Architektenpaar Ingo Gößling und Rebecca Seeger das Haus mit Baujahr 1957 am Rand der Paderborner Innenstadt. Wo einst zwei Familien auf 122 Quadratmetern eher beengt lebten, verfügt die junge Familie nun auf insgesamt 158 Quadratmetern auch über eine perfekte Kombination aus Wohn- und Arbeitsraum.

Einige Zugänge zu Räumen wurden verlegt, sonst wurde am Grundriss nicht viel verändert. Alle Arbeiten waren innerhalb von drei Monaten abgeschlossen – obwohl das komplette Gebäude energetisch saniert wurde. Mineralwolle unter den Ziegeln und eine Aufsparrendämmung aus Holzfasern isolieren den Spitzboden. Das Mauerwerk wird durch Polystyrol-Hartschaumplatten, verstärkt von Glasfasergewebe, gedämmt. Vor allem das Entfernen alter Rolllädenkästen hat sich gelohnt: Das spart nicht nur Energie – die überwiegend hell eingerichteten Räume erhalten auch viel mehr Licht.

Wo einst ein klappriger Carport stand, befindet sich jetzt der in Ständerbauweise errichtete Anbau mit ausreichend Platz für Terrasse und Wohnzimmer. Insgesamt hat der Umbau 900 Euro pro Quadratmeter gekostet, der Anbau 1.600 Euro pro Quadratmeter. Eine Investition, die sich auch optisch gut macht: Obwohl er anders daherkommt als das alte Haus, fügt sich der Anbau wunderbar in den Gesamteindruck ein.

Ausbau einer Garage zum Wohnzimmer

Umbau der Garage
Die ehemalige Garage des Haupthauses wurde kurzerhand zum Wohnzimmer mit direktem Zugang zu Terrasse und Garten umgebaut. Foto: Living Art
Großzügiges Wohnzimmer
Wo früher das Auto parkte, ist auf 30 Quadratmetern ein gemütliches, großzügiges Wohnzimmer entstanden. Foto: Living Art

Traumhaus statt Parkhaus: Die Eigentümer eines Einfamilienhauses in Quickborn, nördlich von Hamburg, verwandelten ihre dunkle, ans Haus angrenzende Garage in ein Wohnzimmer: ein hoher, luftiger und dank großer, energiesparender Dachflächenfenster und Terrassentüren lichtdurchfluteter Raum.

Als die Baugenehmigung vorlag, wurde zunächst der neue Wohnbereich energetisch auf einen zeitgemäßen Stand gebracht. Die Außenwände erhielten ein Wärmedämmverbundsystem, das Dach eine Zwischensparrendämmung aus Thermo-Hanfmatten. Die vormals schwarzen Dachziegel wichen den auch beim Haupthaus verwendeten, zweimal gebrannten roten Tonziegeln im historischen Look.

Im Innern verschwand eine Zwischendecke, die bis dahin einen kleinen, nur per Leiter erreichbaren Dachboden abtrennte. Der unebene Garagenboden wurde durch eine Bodenschüttung ausgeglichen und mit Trockenestrichplatten belegt. Darauf kam der neue Parkettboden. Angeschlossen an das Haupthaus wurde das neue Wohnzimmer über einen Wanddurchbruch und eine kleine Treppe.

Der finanzielle Aufwand? Die Dämmung mit Hanf kostete 18 Euro pro Quadratmeter, die Verkleidung mit Fermacell-Gipsplatten ca. 10 Euro pro Quadratmeter. Beim Bodenaufbau beliefen sich die Kosten für den geschütteten Estrich auf ca. 4,50 Euro pro Quadratmeter (bei 1 Zentimeter Höhe) und auf ca. 19,50 Euro pro Quadratmeter für den Trockenestrich.

Anbau mit offenem Wohn-Koch-Essbereich

Anbau mit Flachdach
Das Mehrfamilienhaus wurde durch einen lichtdurchfluteten Anbau mit Flachdach erweitert. Foto: Velux
Lichtdurchfluteter Anbau
Nicht nur mehr Platz, sondern auch mehr Licht dank großer Fensterfronten in Kombination mit Dachfenstern. Foto: Velux

Mehr Raum, mehr Licht: Bei der Erweiterung ihres Hauses in Hamburg-Stellingen war es Familie Lakenmacher besonders wichtig, viel natürliches Licht zu gewinnen – ohne zu viel Wandstellfläche zu verlieren. Die Lösung für den neuen Wohn-, Koch- und Essbereich: Wandfenster und Flachdachfenster miteinander kombinieren.

Flachdachfenster kann man oft auch nachträglich einbauen. Genau wie Dachfenster für die Schräge lassen sie viel Tageslicht herein und hellen so auch ansonsten fensterlose Ecken auf. Zudem sorgen sie für zusätzliche Belüftung. Das hilft zum Beispiel, trotz Dunstabzugshaube beim Kochen entstehende Gerüche abziehen zu lassen. Das Öffnen und Schließen funktioniert per Funkfernbedienung eingebauter Elektromotoren.

Bei Familie Lakenmacher ergänzen zwei Flachdachfenster den natürlichen Lichteinfall durch die großen Fensterfronten zur Gartenseite hin. „Wegen der Nordlage gelangt durch die normalen Fenster erst nachmittags direktes Sonnenlicht in den Raum. Die Flachdachfenster erhellen ihn den ganzen Tag über und sorgen so für ein angenehmes Raumgefühl“, sagt Hausherrin Iris van Hülst-Lakenmacher, die das Lichtkonzept für den Anbau selbst entworfen hat.

Die Kosten für die Modernisierung des Erdgeschosses sowie den Anbau beliefen sich auf ca. 200.000 Euro. Pro Quadratmeter kostete der Umbau etwa 1.500 Euro.

Das sollten Sie beachten

Werden an einem Haus größere bauliche Veränderungen vorgenommen, brauchen Sie in bestimmten Fällen eine Baugenehmigung. Das gilt für Eingriffe in die Gebäudesubstanz oder die Gebäudestatik wie auch Veränderungen des äußeren Erscheinungsbildes – etwa durch einen Anbau. Hier muss man auch klären, ob die korrekten Abstände zu Nachbarhäusern eingehalten werden. An welcher Stelle und wie groß so ein Anbau werden darf, regeln die Landesbauordnung und der Bebauungsplan. Mehr dazu lesen Sie im Beitrag Platz da für mehr Lebensraum.

Auch eine Nutzungsveränderung muss genehmigt werden – etwa die Umwandlung der Garage zum Wohnbereich. Wann eine Genehmigung notwendig ist, weiß der Architekt. Falls kein professioneller Planer beauftragt ist, hilft das örtliche Bauamt weiter.

Ist eine Baugenehmigung nötig, stellen Sie einen schriftlichen Bauantrag bei der örtlichen Baubehörde. Darin steht unter anderem, ob es sich bei der Maßnahme um eine Errichtung, Änderung, Nutzungsänderung oder einen Abbruch handelt. Welche Anlagen für den Antrag notwendig sind, unterscheidet sich je nach Bundesland und lässt sich direkt über die Behörde in Erfahrung bringen. Und spätestens jetzt brauchen Sie einen Architekten, denn die Unterlagen muss der Experte erstellen.

Tipp: In einigen Bundesländern dürfen auch staatlich geprüfte Techniker sowie Maurer- und Zimmermeister Bauanträge einreichen. Nicht selten ist das die günstigere Alternative.

Und Achtung: Eine Baugenehmigung gilt in der Regel für drei Jahre. Sie erlischt, wenn in diesem Zeitraum nicht mit den Bauarbeiten begonnen wird.