Dämmstoffe Natürlich Holz

Dachdämmung
50 Jahre lang verfiel der alte Gutshof und war ungeschützt Wind und Wetter ausgesetzt. Nun wird er neu gedämmt. Foto: Verband Holzfaser Dämmstoffe e.V.

Holzfaser gehört in Deutschland zu den gebräuchlichsten Naturdämmstoffen. Wir haben das Material genauer unter die Lupe genommen und zeigen, wie das Material auf einem ehemaligen Gutshof zum Einsatz kommt.

Dämmplatten aus Holzfasern bestehen meist aus Sägeresten und Hackschnitzeln heimischer Nadelhölzer. Beim sogenannte Trockenverfahren werden die Fasern auf die notwendige Restfeuchte getrocknet und anschließend mit einem Bindemittel beleimt. Beim alternativen Nassverfahren wird das Holz durch thermo-mechanische Verfahren aufgeschlossen und die Faseroberfläche so weit aktiviert, dass am Ende das holzeigene Lignin für die nötige Bindung sorgt.

Nassverfahren
So werden die Dämmplatten im Nassverfahren hergestellt. Foto: Verband Holzfaser Dämmstoffe e.V.

Ökologisch wertvoll

Die Dämmplatten sind fast reine Naturprodukte und werden ohne großen Energieaufwand hergestellt. Baustoffreste und ausgebaute Platten lassen sich problemlos kompostieren oder sogar wiederverwenden. Ein weiterer Pluspunkt: Das Material löst keine Hautreizungen aus und lässt sich ohne Schutzhandschuhe verarbeiten.

Guter Hitze- und Schallschutz

Holzfaserplatten sind gute Wärmespeicher. Sie puffern im Sommer Sonnenhitze, indem sie überschüssige Wärme aufnehmen. Auf diese Weise reduzieren sie die Raumtemperaturen spürbar – besonders unter der Dachschräge.

In Sachen Schallschutz schneiden Holzfaserplatten besser ab als etwa Hartschaumplatten aus expandiertem Polystyrol (EPS), bekannter unter dem Markennamen Styropor. Das liegt einerseits an der vergleichsweise hohen Dichte und andererseits an der Faserstruktur der Platten, die schallabsorbierend wirkt.

Vielseitig einsetzbar

Im Prinzip lässt sich Holzfaser vom Keller bis zum Dach verwenden. Nur wenn der Dämmstoff verstärkt mit Wasser in Kontakt kommt, ist von einem Einsatz abzuraten. Das gilt etwa für Kelleraußenwände. Zwar ist das Material grundsätzlich nicht besonders empfindlich gegenüber Feuchtigkeit – im Gegenteil: Es lässt Dampf durch und kann bis zu 20 Prozent seines Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen, ohne dass dadurch die Dämmwirkung beeinträchtigt wird. Allerdings: Bei großen Mengen Wasser können die Platten faulen und schimmeln. Wenn Dämmstoffe also mitunter buchstäblich im Wasser stehen – Stichwort Hochwasser –, dann sollte man lieber auf wasserabweisenden Kunststoff wie extrudiertes Polystyrol (XPS) zurückgreifen.

… aber es gibt auch Nachteile

Die Dämmwirkung von Holzfaser liegt nur im gehobenen Mittelfeld. Die leistungsfähigsten Platten gehören zur Wärmeleitgruppe 039 und sind damit nicht so gut wie etwa Mineralwolle (032) oder EPS (030).

Dass Holzprodukte schon beim kleinsten Funken Feuer fangen, ist ein längst widerlegtes Vorurteil. Allerdings wird Holzfaser gemäß der Norm DIN 4102-1 der Baustoffklasse B 2 zugeordnet, also nur als „normal entflammbar“ eingestuft. Es gibt Dämmstoffe, die deutlich höheren Temperaturen standhalten.

Negativ ins Gewicht fallen auch die Preise für das Dämmen mit Holzfasern. Mit 40 bis 50 Euro pro Quadratmeter ist das Material relativ teuer.

Rundum saniert

Natürlich und effizient – das war auch für die Bauherren des Projekts Gut Wöllried in Würzburg ausschlaggebend, sich für eine Dämmung aus Holzfaser zu entscheiden. Ein jahrhundertealtes landwirtschaftliches Gut ist rundum saniert worden. Aus den insgesamt 16 denkmalgeschützten Gebäuden soll bis 2030 eine Verbindung aus Landwirtschaft, Handwerk und Gastronomie entstehen.