Wer heute ein Fertighaus baut, braucht auf Individualität nicht mehr zu verzichten. Domizile aus industriell vorgefertigten Bauteilen sind heute in allen erdenklichen Baustilen frei planbar.

Schaut man sich die aktuellen Angebote der mehr als 40 Fertighaushersteller an, die im Bundesverband Deutscher Fertigbau (BDF, www.bdf-ev.de) organisiert sind, dem größten Zusammenschluss von Fertighausanbietern in Deutschland, dann staunt man besonders über die Vielfalt der Entwürfe. Alles ist machbar. Ob Bauhaus-Kubus, eingeschossiger Bungalow, mediterran anmutende Villa oder alpenländisches Flair – die Fertighausbranche hat sich ganz auf die Individualität der Kunden eingestellt.

Die in Katalogen, auf Herstellerseiten im Internet und in den zahlreichen Hausausstellungen entlang der Autobahnen präsentierten Beispielhäuser sind meist nur als Anregung zu verstehen, auf deren Basis sich Fassadengestaltung, Dachform, Grundriss, Haustechnik, Innenausstattung usw. im Beratungsgespräch mit dem Hersteller frei planen lassen. Gestaltungsgrenzen setzen nur die Bauvorschriften der Gemeinden.

Gute Dämmung trotz schmaler Wände

Gemein ist den verschiedenen Fertighäusern nur die Bauweise: Mehr als 96 Prozent der deutschen Fertighäuser werden in Holztafel- oder Holzrahmenbauweise erstellt, der Rest entfällt auf Wandelemente aus Ziegeln. Für die Wände wird ein Tragegerüst aus Holz in der Fabrik beidseitig mit Holzwerkstoffplatten beplankt. Die Hohlräume werden anschließend mit Dämmstoffen gefüllt.

Als Füllmaterial dienen Mineral-, Baum- und Schafwolle, Kokosfaser, Flachs oder Kork. Das ergibt eine effektive Dämmung trotz schmaler Wände und macht hochwertige Holzhäuser schon jetzt in punkto Wärmedämmung besser als es die Energieeinsparverordnung (EnEV) 2009 verlangt. Rahmen- und Tafelbauten unterscheiden sich nur im Grad der Vorfertigung: Im Rahmenbau wird der vorgefertigte Holzrahmen im Unterschied zum Tafelbau nicht vorab, sondern erst auf der Baustelle mit der Bodenplatte oder der Kellerdecke verbunden.

Ein Grund für die zunehmende Beliebtheit von Holzfertighäusern ist die effektive Wärmedämmung bei geringer Wandstärke, ein anderer das gute Wohnraumklima in Holzhäusern. Ein Argument gegen den Bau eines Holzhauses ist für viele die Angst vor mangelnder Haltbarkeit. Zu unrecht.

Dass auch Holzhäuser eine lange Lebensdauer haben, zeigt sich zum Beispiel an historischen Fachwerkhäusern. Die ältesten bewohnten Fachwerkhäuser Deutschlands wurden vor fast 750 Jahren erbaut. Für moderne Holzbauwerke mit ihrem hohen Entwicklungsstand der Werkstoffe, der Konstruktion und der Bauphysik kann man nach Angaben des Informationsdienstes Holz von einer Lebensdauer ausgehen, die hinter der von Gebäuden in konventioneller Bauweise nicht zurücksteht. Wirtschaftlich und gemäß den Ansprüchen der Bewohner nutzbar ist ein Holzhaus heutiger Generation danach 80 bis 100 Jahre. Das ist derselbe Wert wie der für Häuser in konventioneller Bauweise. Natürlich können Häuser jeder Bauart, also auch Holzhäuser, deutlich älter als 100 Jahre werden, wenn sie je nach Nutzungsanforderung und technischer Entwicklung modernisiert werden. Das ist bei Holzhäusern mit ihrer flexiblen Bauweise relativ leicht möglich.

Konstruktiver Holzschutz statt Chemie

Der Aufwand für Wartung und Unterhalt ist bei Holzhäusern nicht höher als bei konventionell gebauten Häusern. Selbst Holzfassaden, ob mit oder ohne Anstrich, kommen mit normaler Aufmerksamkeit und Pflege aus. Zur langen Lebensdauer von Holz kann – statt chemischer Mittel – ein »konstruktiver« Holzschutz beitragen. Dazu zählen ausreichend große Dachüberstände, die das Herabfließen von Regenwasser an der Fassade vermeiden. Alle Flächen eines Holzhauses sollten so geplant sein, dass Wasser schnell abfließen und das Holz gut abtrocknen kann. Ein mindestens 30 Zentimeter hoher Sockel vermeidet Spritzwassernässe und Staunässe durch Erdkontakt.

War noch vor ein paar Jahren der Preis das ausschlaggebende Argument für den Bau eines Fertighauses, so sind es heute auch die individuelle Planungsmöglichkeit, die durchdachten Konstruktionen und die Energieeffizienz.