Viel Glas am Bau bringt mehr Licht ins Leben. Fremde Blicke sperrt man mit ein paar Tricks aus, Wärme bleibt dank modernster Technik auch bei transparenter Fassade drinnen.

Vorbei die Zeiten, da Fenster aus einfachen kleinen Scheiben bestanden, weil große Formate zu teuer und zu zerbrechlich waren. Glas ist zu einem Hightech-Produkt mit sehr guten Energiespareigenschaften geworden. Energetisch gesehen waren Fenster (und Rahmen) bis vor etwa 30 Jahren die Schwachstelle jedes Hauses. Seitdem hat sich viel getan, insbesondere in den 1990er Jahren. Moderne Verglasungen beispielsweise erreichen einen extrem niedrigen U-Wert von 0,45 W/m2K, in der Dämmwirkung ist das vergleichbar mit 10 Zentimeter dicker Mineralwolle. Der sogenannte U-Wert, früher „k-Wert“, zeigt an, wie viel Heizwärme durch die Verglasung nach außen verloren geht. Grundsätzlich gilt: Je kleiner der Wert, desto geringer die Wärmeverluste und umso besser die Wärmedämmwirkung.

Bei modernen Glasbauten bleiben die winterlichen Wärmeverluste im Innenraum trotz großzügiger Fensterflächen extrem gering, nicht zuletzt dank solarer Wärmegewinne: Einfallende Sonnenstrahlen werden von den innenliegenden Bauteilen absorbiert und in Form von Wärmestrahlung in den Raum abgegeben. Obwohl Dreifach-Isolierglas nur ungefähr 2,5 Zentimeter dick ist, hält es die Wärme besser als so manches dicke Mauerwerk. Das so zerbrechlich und durchlässig wirkende Material bringt in der Hightech-Variante neben dem Wärmeschutz sogar noch weitere Vorteile, die bislang auch eher Massivbauten zugesprochen wurden: gute Schallschutzeigenschaften und – bei aller Transparenz – solide Sicherheit.

Den Durchblick behalten

Glas am Bau gilt als Sinnbild für Offenheit, Transparenz und Leichtigkeit. Es bringt Sonne ins Haus und stellt wie kein anderer

Werkstoff den Bezug zur Natur her: Wer hinter Glas wohnt, wird sozusagen Teil der umgebenden Landschaft. Hinzu kommt die nachweislich positive Wirkung von Licht auf unser Gemüt: Es steuert u.a. den Hormonhaushalt, das Immunsystem und den Stoffwechsel.

Eines ist Glas allerdings ganz bestimmt nicht: diskret. Und wer will schon wohnen wie im Schaufenster? Wer im Glashaus sitzt, braucht also eine gehörige Portion Exhibitionismus. Aber Sie brauchen ja nicht gleich so exponiert zu wohnen, dass der Regen scheinbar ungehindert durchs Wohnzimmer fegt. Planen Sie undurchsichtige Rückzugsmöglichkeiten ein, dann haben Sie ganz bestimmt Ihre helle Freude am lichtdurchfluteten Bau. Mittlerweile gibt es sogar Glas, das auf Knopfdruck undurchsichtig und mit einem zweiten Knopfdruck wieder transparent wird. Wie das funktioniert? Flüssigkristalle im Glas wechseln je nach elektrischer Spannung zwischen Durchblick und Sichtschutz. Damit ist denn auch das delikate Problem der Einsehbarkeit gelöst – ohne Mechanik, ohne Jalousien.