Viel Glas am Bau bringt Licht ins Leben. Doch wie sieht es eigentlich mit den Dämmeigenschaften des transparenten Materials aus?

„Die Erdoberfläche würde sich sehr verändern, wenn überall die Backsteinarchitektur von der Glasarchitektur verdrängt würde“, schrieb 1914 der „Dichter der Architekten“ genannte Schriftsteller und Zeichner Paul Scheerbart. „Es wäre so, als umkleide sich die Erde mit einem Brillanten- und Emailschmuck.“ Die Herrlichkeit, schrieb Scheerbart voller Enthusiasmus, sei gar nicht auszudenken. Dass Architekten heute tatsächlich ganze Hausfassaden aus Glas bauen können, ist ein Verdienst der Wissenschaft. Durch ihre Forschung ist Glas zu einem Hightech-Produkt mit sehr guten Energiespareigenschaften geworden. Vorbei auch die Zeiten, da Fenster aus einfachen kleinen Scheiben bestanden, weil große Formate zu teuer und zu zerbrechlich waren.

Energie sparen und das Klima schützen

Energetisch gesehen waren Fenster (und Rahmen) bis vor etwa 30 Jahren die Schwachstelle jedes Hauses. Seitdem hat sich viel getan, insbesondere in den 1990er Jahren. Früher waren Fenster echte Energieverschwender. Bei den bis in die 1970er Jahre gängigen Einfachverglasungen lag der sogenannte Ug-Wert noch bei 5,8 W/m2K. Er gibt an, wie viel Wärmeenergie in einer Sekunde durch einen Quadratmeter Glas entweicht. Die ersten, vor 1995 verwendeten Zweischeiben-Isoliergläser erreichten immerhin schon Werte um 3 W/m2K. Heute hat reguläres Wärmedämmglas einen Ug-Wert von 1,1 W/m2K, Dreifach-Wärmedämmglas im besten Fall sogar nur 0,5 W/m2K. Wird der Ug-Wert nur um 0,1 W/m2K gesenkt, lassen sich pro Quadratmeter Fensterfläche und Jahr rund 1,2 Liter Heizöl einsparen. Bei einem durchschnittlichen Einfamilienhaus mit einer Fensterfläche von 25 Quadratmetern ließen sich durch eine Erneuerung der Fenster bis zu 500 Liter einsparen – und das Jahr für Jahr. Modernisierer können so bei einem Heizölpreis von 75 Cent pro Liter 375 Euro pro Heizperiode sparen. Und jeder Liter bringt eine Ersparnis von drei Kilogramm des klimaschädlichen Treibhausgases CO2.

Wohnen-Tipp: Wer seine Fenster austauschen möchte, profitiert zudem von zahlreichen Förderprogrammen. Infos über

Zuschüsse von Bund, Ländern und Kommunen gibt es unter www.foerderdata.de. Auch steuerliche Vorteile bei den Handwerkerkosten machen den Austausch der alten Fenster attraktiv: 20 Prozent des Arbeitslohns (maximal 1.200 Euro) können direkt von der Steuerschuld abgezogen werden.

Wärmeschutz durch Technik

Hinter dem Wärmeschutz steckt ausgeklügelte Technik. Modernes Isolierglas setzt sich aus zwei oder mehreren sogenannten Float- oder Spezialgläsern zusammen. Auf der Raumseite ist das Glas gegen den Scheibenzwischenraum mit einer hauchdünnen Wärmedämmschicht aus Metall bedampft, die die Wärmestrahlung zurück in den Raum wirft. Zudem ist der Scheibenzwischenraum bei aktuellen Fenstermodellen mit einem speziellen Wärmedämmgas, z. B. den Edelgasen Argon, Krypton oder neuerdings auch Xenon, gefüllt. Damit lässt sich die Wärmeleitfähigkeit der Verglasung deutlich verringern.

Entscheidend für die guten Wärmedämmeigenschaften des Fensters ist neben der Verglasung die Konstruktion des Blend- und Flügelrahmens. Die Anzahl der Kammern im Inneren der Konstruktion und deren „thermische Trennung“ erhöhen den Wärmeschutz und verhindern die Tauwasserbildung.

Weiteres Plus moderner Glasbauten: die solare Wärmegewinnung. Einfallende Sonnenstrahlen werden von den innenliegenden Bauteilen absorbiert und in Form von Wärmestrahlung in den Raum abgegeben. Ein Effekt, der auch beim Bau der extrem energieeffizienten Passivhäuser eingesetzt wird. Obwohl Dreifach-Isolierglas nur ungefähr 2,5 Zentimeter dick ist, hält es die Wärme besser als so manches dicke Mauerwerk.

Transparenter Gute-Laune-Förderer

Glas gilt am Bau als Sinnbild für Offenheit, Transparenz und Leichtigkeit. Es bringt Sonne ins Haus und stellt wie kein anderer Werkstoff den Bezug zur Natur her: Wer hinter Glas wohnt, wird sozusagen Teil der umgebenden Landschaft. Hinzu kommt die nachweislich positive Wirkung von Licht auf unser Gemüt: Es steuert u.a. den Hormonhaushalt, das Immunsystem und den Stoffwechsel.

Mittlerweile gibt es sogar selbstreinigendes und sogar „schaltbares“ Glas, das sich auf Knopfdruck einfärben lässt, um Sonnenlicht oder fremde Blicke abzuschirmen. Flüssigkristalle im Glas wechseln je nach elektrischer Spannung zwischen Durchblick und Sichtschutz. Damit ist denn auch das delikate Problem der Einsehbarkeit gelöst – ohne Mechanik, ohne Jalousien.