Dem Smart-Home-Markt werden Wachstumsraten von mehr als 30 Prozent pro Jahr vorhergesagt. Großkonzerne sind dort genauso aktiv wie Start-ups – mit spezialisierten Produkten, die das Leben leichter machen sollen. Senic aus Berlin ist eines dieser Start-ups. Mit dem Nuimo stellt es ein Gerät her, das die Steuerung von Musik und Beleuchtung vereinfacht. „Wohnen“ hat den Gründer und Geschäftsführer Tobias Eichenwald in den Senic-Büros in einem Kreuzberger Hinterhof zum Interview getroffen.

Herr Eichenwald, was haben Sie gegen die Smart-Home-Produkte einiger Konzerne?
Gar nichts.

Warum sagen Sie dann, eine Waschmaschine sei smarter?
Ein Gerät wird nicht dadurch smart, dass man einen WLAN-Chip einbaut. Es geht darum, dass das Gerät den Alltag erleichtert oder angenehmer macht. Eine Waschmaschine tut das – dank ihr sparen wir viel Zeit.

Die allgemeine Definition von Smart Home ist aber, dass man Geräte miteinander vernetzen kann. Als Beispiel wird oft genannt, dass der Wecker klingelt, die Rollläden hochfahren und automatisch die Kaffeemaschine startet.
Das stimmt. Diese Beispiele kenne ich. Wenn ich nach Hause komme und sich das Garagentor von alleine öffnet, ist das ja auch toll. Aber bei vielen Anwendungsfällen muss man sich schon fragen, wie sinnvoll sie sind. Und vor allem: Nutzt sie jemand? Jede Automatisierung muss erst mal umständlich in einer App eingerichtet werden.

Smartphones und Apps haben sich nun mal als Eingabemedium etabliert.
Das ist richtig, und dem Smartphone verdanken wir natürlich auch, dass es Smart Home überhaupt gibt. Aber es gibt Statistiken, die zeigen, dass Nutzer kaum noch neue Apps herunterladen. Das Interesse, sich zu Hause mit seinem Smartphone zu beschäftigen, nimmt also wieder ab. Und Smartphones sind definitiv nicht die bequemste Art, um Lampen, die Musikanlage oder einen Fernseher zu steuern.

Sondern?
Das Einfachste ist natürlich, den Lichtschalter zu betätigen, wenn ich in einen Raum komme. Dieser simple Grundgedanke liegt zum Beispiel auch unserem Nuimo zugrunde. Kein Bildschirm, keine Apps, sondern eine intuitive Steuerung, die sich auf das Wesentliche fokussiert.

Aber welche Rolle kann ein Start-up in diesem hart umkämpften Markt spielen?
Wir können natürlich nicht so eine breite Produktpalette bieten wie große Unternehmen. Dafür machen wir etwas, das wirklich einen Mehrwert bietet und hochwertig hergestellt wird. Nuimo vereint Technologie und Design, für Menschen, die darauf Wert legen. Dass es dafür eine Nachfrage gibt, haben wir schnell gemerkt.

Sie sind häufig auf Messen in den USA. Welche Erkenntnisse bringen Sie von dort mit?
Im Januar bin ich in Las Vegas mit einer selbstfahrenden Kapsel von meinem Hotel zum Messegelände gefahren. Das war der Wahnsinn. Ich denke, dass autonom fahrende Autos nicht nur das Transportwesen, sondern auch unsere Städte verändern werden.

Wie meinen Sie das?
Es macht nichts, ein bis zwei Stunden in so einer Kapsel zu sitzen, denn ich kann die Zeit effizient nutzen. Lesen, Serien schauen, eine Präsentation vorbereiten – alles kein Problem. Und das führt dazu, dass die Randbezirke einer Stadt an Attraktivität gewinnen. Sie sind auf einmal viel besser erreichbar und bieten gleichzeitig die Vorzüge des Speckgürtels: niedrigere Preise, weniger Verkehr, ein eigener Garten …

Und was muss passieren, damit das in Deutschland Realität werden kann?
Das hängt nur vom Gesetzgeber ab. Die Technik dafür gibt es.