Die Kinder führen längst ein eigenes Leben, der Ruhestand ist zum Greifen nah und die Auszahlung der Lebensversicherung hat viel Geld aufs Konto gespült. Warum also nicht die gewonnene Flexibilität für einen Tapetenwechsel nutzen? Zum Beispiel in die Stadt ziehen, um dort die freien Kapazitäten zu nutzen und wieder mehr am kulturellen Leben teilzunehmen – oder in die umgekehrte Richtung raus aufs Land. Den Schachzug kann man gleich noch mit der Verwirklichung des Traums vom Wohneigentum verbinden. Und auch wer davon nie träumte, sollte wissen: Es sprechen gute Gründe dafür.

In der Tat kommt es häufig vor, dass auch Menschen, die das Berufsleben ganz oder fast hinter sich haben, noch unter die Immobilieneigentümer gehen. Sie haben dabei allerdings eindeutige Präferenzen, sagt Manfred Jost, Präsident des Verbandes Wohneigentum in Bonn: „Ältere Menschen ziehen in der Regel nicht mehr aufs Land, sondern in die Stadt und auch in die Zentren im ländlichen Raum und bevorzugen Wohnungen gegenüber Häusern.“ Für viele ist einfach klar: Ein Haus samt Garten weit draußen auf dem Land bedeutet Strapazen, denen sie in zehn, 15 oder 20 Jahren nicht mehr gewachsen sind. Gartenarbeit, große Distanzen, eine schlechte Anbindung an die Infrastruktur – das sind einige der Punkte, die dagegen sprechen.

„Der Stadtrand und die Innenstadt bieten hingegen Vorteile“, sagt Jost. „Viele unentbehrliche Einrichtungen sind gleich nebenan: Post, Bank, Ärzte, Apotheken, Einkaufsmöglichkeiten.

Das ist eine große Entlastung, wenn die Füße irgendwann anfangen, schneller müde zu werden, und der Körper nicht mehr das machen will, was der Kopf gerne möchte.“ Darüber hinaus spielt die Nähe zu Freizeitangeboten im Alter wieder zunehmend eine Rolle: Sportstätten, Restaurants, Kino, Theater und Oper – die viele freie Zeit will schließlich genutzt werden.

Es spricht also einiges für die Stadt. Dort zur Miete zu wohnen ist eine Möglichkeit – eine Immobilie zu kaufen die andere. Denn die Finanzierung von Wohneigentum gestaltet sich für Ältere nicht prinzipiell schwieriger als für Menschen im Berufsleben. „Natürlich liegt eine Rente oder Pension deutlich unter dem früheren monatlichen Gehalt“, erklärt Jost. „Aber ältere Menschen haben den Vorteil, bereits ihr ganzes Leben gespart zu haben. Manche haben eine Lebensversicherung ausgezahlt bekommen, andere haben geerbt.“ Wer bereits eine Immobilie hat, kann das damit erlöste Geld ebenfalls in die Waagschale werfen. So können ältere Menschen, trotz ihrer geringeren Einkünfte, den Banken ausreichend Garantien bieten. Darüber hinaus gibt es auch staatliche Unterstützung: Die KfW Bankengruppe fördert unabhängig vom Alter die Anschaffung von Wohneigentum.

Eine Immobilie zu besitzen ist zudem eine lohnende Wertanlage – zumindest in den Regionen, in denen viele Menschen leben wollen. „In wachsenden Städten und deren Speckgürteln kann man tatsächlich von Betongold sprechen“, erklärt Jost. Sprich: Von einer sehr deutlichen Wertsteigerung im Laufe der Jahre ist fest auszugehen. Und wer weiß schon, was das Leben noch alles bringt – erst recht im Alter?