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Eine Frau sitzt lächelnd an einem Wohnzimmertisch in einem schön dekorierten Heim.
Innenarchitektin Julia Ballmaier hat Ideen für kleine Wohnungen. Foto: Bernhard Huber

Der Trend in Richtung Stadt geht weiter: Laut einer Prognose vom Juli 2018 wird die Zahl der weltweiten Stadtbewohner bis 2030 um rund eine Milliarde Menschen auf 5,2 Milliarden zunehmen. Der angespannten Platzlage begegnen Planer mit Nachverdichtung oder über die Verringerung der individuellen Pro-Kopf-Wohnfläche – häufig gleich mit beidem.

Flexible Gestaltungsmöglichkeiten für kleine Wohnungen (wie man sie aus China und Japan kennt) sind daher auch bei uns immer stärker gefragt. Ein Trumpf für die Expertin: Innenarchitektin Julia Ballmaier hat sich unter anderem auf die Neugestaltung und Konzeption kleiner Räume spezialisiert. Dass man für ein geschmackvolles, gemütliches Zuhause weder viel Platz noch viel Geld braucht, kann man unter anderem in ihrem Buch „Wohnen unter 1.000 Euro: Große Wohnideen, kleiner Preis“ nachlesen – oder auf ihrem Internet-Einrichtungsblog Myhomeismyhorst.de. Hier präsentiert sie sechs Tipps.

1. Aller Anfang ist gar nicht so schwer

Was für große Zimmer und Wohnungen gilt, hat natürlich auch für kleine Räume Gültigkeit. Man muss stilistische Entscheidungen treffen – und das heißt immer für und gegen etwas. Julia Ballmaier empfiehlt, mit einer Bildersammlung zu beginnen. Das kann digital sein, zum Beispiel über ein Konto bei der Plattform Pinterest, in dem man alles abspeichern kann, was man im Netz findet. „Oder Sie machen es ganz haptisch und kaufen sich ein Notizbuch, in das Sie Bilder aus Zeitschriften, Stoffmuster und Farbproben kleben.“ So entsteht eine Art Poesiealbum für die Wohnungsgestaltung.

2. Von anderen lernen 

In Städten wie London, Paris und Stockholm werden schon lange derart hohe Quadratmeterpreise aufgerufen, dass sich selbst Gut- und Besserverdiener oft nur wenige davon zum Kauf oder zur Miete leisten können. Hier hat man bereits vor Jahren gelernt, wie man seine Wohnung einrichtet, um möglichst viel Komfort auf wenig Platz zu schaffen. Internationale Wohn- und Einrichtungsmagazine, Design-Blogs, Instagram- und Pinterest-Profile bieten einen schier unerschöpflichen Ideen-Fundus für jede erdenkliche Wohnsituation.

3. Weniger ist mehr

Beschränken Sie sich in kleinen Räumen bei der Einrichtung auf ein Minimum. Das bedeutet zunächst einmal: Ausmisten! „Heben Sie wirklich nur Lieblingsstücke auf, sowohl bei Möbeln als auch bei Deko-Artikeln.“ Auf den Couchtisch haben Sie damals lange gespart? Trotzdem kein Grund, ihn aufzuheben, wenn er nicht mehr optimal in Ihr neues Leben passt. Behalten Sie nur Dinge, die sich mehrfach nutzen lassen, und investieren Sie in multifunktionale Möbel.

4. Der Schein darf trügen 

Will man kleine Räume vergrößern, ist ein bisschen Schwindeltaktik erlaubt. „Man bekommt dadurch faktisch zwar nicht mehr Platz, aber das Raumgefühl ist ein ganz anderes“, so Ballmaier. Das beste Mittel hierfür sind Spiegel, die auch außerhalb des Badezimmers eine gute Figur und kleine Zimmer optisch größer machen. Aber auch die Wahl der Möbel trägt entscheidend dazu bei. Hier gilt es auf filigrane, grazile Stücke zu achten. Beispiel Wohnzimmer: Ein Sofa mit Füßen wirkt viel leichter als eines, das massiv auf dem Boden steht.

5. Auch die Wände nutzen

Ziehen Sie Küchenoberschränke bis unter die Decke, um die gesamte Höhe als Stauraum zu nutzen, und hängen Sie generell möglichst viel auf. Wird ein Raum für mehrere Lebensbereiche genutzt, hilft es, ihn zu unterteilen. Das kann mit einem hohen Regal oder einer Kommode erreicht werden, die als Raumtrenner fungieren.

6. Farben machen den Unterschied

Auch die Farbgestaltung hat einen großen Einfluss auf das Raumgefühl. „Viele glauben, dass farbige Wände kleine Wohnungen noch enger machen“, so Ballmaier. Ganz im Gegenteil: Vor allem dunkle Farben verleihen Räumen mehr Tiefe, machen sie interessanter. Zur ersten Orientierung helfen Farbkarten, die in jedem Baumarkt oder Farbfachgeschäft erhältlich sind.

Zum Schluss warnt die Interior-Stylistin noch vor dem größten Feind kleiner Wohnungen: der Unordnung. „Wenn man nicht viel Platz hat, ist es umso wichtiger, immer alles aufzuräumen und in der Gestaltung nicht zu kleinteilig zu werden. Je mehr in ohnehin kleinen Räumen herumsteht, umso unruhiger wirken sie.“