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Hotels oder Airbnb: Was ist besser?

Die Zeiten, in denen die Wahl der Urlaubsunterkunft Nebensache war, sind vorbei. Ade, liebe All-inclusive-Pakete – im Jahr 2019 soll auch das vorübergehende Zuhause ein Zuhause sein, soll die Qualität von Matratze und Morgenkaffee mindestens genauso stimmen wie das Rahmenprogramm. Bliebe nur noch die Gretchenfrage: Wie stehen Sie zu Air­bnbs, diesen übers Internet buchbaren Privatzimmern? Oder soll es lieber ein schickes Hotel sein? Eine Grundsatzfrage? Das sollten wir näher betrachten.

Waren Sie schon mal in einer Unterkunft, in der Sie sich geradezu zwingen mussten, vor die Tür zu gehen, weil die Stadt da draußen niemals so toll sein könnte wie die neu bezogenen vier Wände? Ich jedenfalls verbrachte neulich ein Kulturwochenende in München, das Highlight sollte die zehnstündige Vorstellung des Stücks „Dionysos Stadt“ in den Kammerspielen sein. Der eigentliche Kracher war dann aber der gemütliche und beheizte Zirkuswagen in Murnau. Eine Stunde Fahrt entfernt, gefunden über Airbnb. Im Urlaub zu pendeln? Die beste Idee des Jahres.

 

Wohnen und Snacken in Montreal

In Montreal übernachtete ich in einem luftigen Zimmer im jüdischen Viertel, wo sich Massen an Grünpflanzen tummelten. Dem Eigentümer gehörte zufällig auch das bezaubernde Café darunter. Hier wurden die Pancakes jeden Morgen mit Live-Folkmusik serviert. Sorry, not sorry, aber da kann das allerbeste Continental Breakfast nicht mithalten. Dafür lege ich meine Hand ins lodernde Bildschirmfeuer in der Hotellobby.

An der Côte d’Azur in Frankreich buchte ich dafür letzten Sommer aus Versehen eine seelenlose Airbnb-Wohnung im Neubaugebiet, das ohne Auto von Nizza aus nicht zu erreichen war. Blöd, wenn man kein Auto hat. Gut dagegen, wenn man sich eine Flasche Rotwein schnappt und einfach losläuft. Es kann wahnsinnig authentisch sein, ausgehungert und angetrunken im Restaurant anzukommen und das Geld, das man bei der verdächtig günstigen Unterkunft gespart hat, in Austern anzulegen.

Für Airbnbs wie Hotels gilt: Irgendwann entwickelt man einen Blick für Goldstücke. Positive Bewertungen, Super-Host-Auszeichnungen und Fotos, die nicht mit einer schmeichelnden Fischaugenlinse aufgenommen wurden, sind die halbe Miete. Auch wichtig: keine professionellen Vermieter unterstützen, nur in echten Privatwohnungen absteigen. Alles andere hat potenziell katastrophale Auswirkungen auf den örtlichen Wohnungsmarkt.

 

Hotelketten sind von gestern

Ich selbst fand die meisten Hotels immer scheußlich. Ich meine die gängigen Ketten, deren Vorhänge seit 50 Jahren nicht mehr gewechselt wurden und die trotzdem horrende Preise verlangen, der zentralen Lage wegen. Nach vielen Jahren und noch mehr Reisen aber durfte ich schmucke Pensionen mit nur zehn Zimmern, Boutique-Hotels, in denen jedes Zimmer in einem anderen Stil eingerichtet ist, und Design-Hotels, die ihren Namen auch verdienen, kennen und lieben lernen.

Nehmen wir die Villa Sorgenfrei bei Dresden. Ich kam eigentlich wegen der märchenhaften Architektur. Am Ende war es aber das Essen im hauseigenen Restaurant, das so überirdisch phänomenal war, dass mir pünktlich zum dritten Gang die Tränen in die Augen schossen. In Glücksburg an der Ostsee befindet sich mein zweiter Geheimtipp: Smucke Steed. Eine familiengeführte Pension, die sich beim Betreten schon anfühlt wie das nordische Zuhause, das man nie hatte. Zudem gibt es die zurecht gepriesenen Wellness­tempel, die jeden gestressten Körper in drei Tagen so auf Vordermann bringen, dass er anschließend neue Kraft für die nächsten Sündenfälle hat.

Sie sehen: Man muss sich gar nicht grundsätzlich entscheiden – weil es ohnehin viel zu viel zu entdecken gibt. Dieser Text entstand übrigens im Design-Hotel Miramonte im österreichischen Bad Gastein. Die Unterkunft hier ist genug Experience, die Berge und Skipisten sind nur lästige Accessoires, die man eben mitnimmt, wenn man schon mal da ist. So, ich muss los. Die Yogastunde fängt gleich an.