Frau sitzt mit Kindern auf einem Steg am Teich.

Chlorfrei baden im Garten

Es muss nicht immer ein Swimmingpool mit gechlortem Wasser sein. Mit Schwimmteich oder Naturpool gibt es natürlichere Möglichkeiten, um im eigenen Garten das kühle Nass zu genießen. Experte Norbert Gäng erklärt, wie diese beiden Arten von Badeanlagen funktionieren.

Gut geplant ist schon halb gebadet

Wie unterscheiden sich Schwimmteich und Naturpool? Worauf kommt es bei Standort, Bodenbeschaffenheit und Baurecht an? Experte Norbert Gäng verrät es uns.

Schwimmteich

Schwimmteich im Garten
© Balena GmbH

„Die Wasseraufbereitung erfolgt hier vor allem biologisch durch Wasserpflanzen. Deshalb sind am Rand größere Regenerations- flächen notwendig, die einen wesentlichen Teil der Anlage ausmachen. Bei der Dimensionierung gilt die Faustregel, dass die Regenerationszone ebenso groß sein sollte wie der Schwimmbereich. Auf eine Schwimmfläche von 40 Quadratmetern kommt also eine Regenerationsfläche von ebenfalls 40 Quadratmetern. Im Übrigen: Schwimmteiche müssen nicht eckig sein. Sie können von der Form her wie ein Gartenteich gestaltet werden.“

Zitat von Experte Norbert Gäng

Naturpool

© Balena GmbH

„Diese Variante erinnert optisch stärker an klassische Pools. Bei Naturpools wird das Wasser mithilfe einer leistungsstarken Pumpe permanent umgewälzt und durch granulatgefüllte Biofilter geleitet. Dabei übernehmen Bakterien den Entzug von Nährstoffen. Schon ab etwa 20 Quadratmetern ist ein Naturpool realisierbar. Die klassische Privatgartengröße liegt bei deutlich größeren 8 mal 4 Metern. Die Filterzone fällt hier deutlich kleiner aus als beim naturnahen Schwimmteich. Bei einem Beckenmaß von 8 mal 4 Metern beträgt sie nur rund zwei Quadratmeter.“

Standort, Bodentyp & Laub
„Die Entscheidung zwischen einem Standort in der Sonne oder im Schatten spielt kaum eine Rolle. Eine sonnige Lage sorgt für eine schnellere Erwärmung des Wassers, während ein schattiger Standort einen geringeren Pflegeaufwand bedeuten kann.“

„Für den Bau ist jeder Bodentyp geeignet. Bei hohem Grundwasser- spiegel ist eine Drainage erforderlich, um zu verhindern, dass Wasser unter die Teichfolie drückt. Der Schwimmbereich sollte sowieso auf einer Betonbodenplatte angelegt werden.“

„Ideal ist eine Lage, bei der keine massive Laubbelastung zu erwarten ist. Laub bedeutet einen Nährstoffeintrag, der die Wasserqualität verändert. Bei viel Laub kann ein weiterer Skimmer helfen, alle Blätter von der Wasseroberfläche abzunehmen.“

Sprungbrett ins Abenteuer

Die wichtigsten Infos zu den grundlegenden Materialien kompakt zusammengefasst:

Teichfolie oder Becken

„Üblicherweise wird eine Teichfolie für den Untergrund verwendet, da sie flexibel und für individuelle Bauformen gut geeignet ist. Alternativ werden besonders bei Naturpools Fertigbecken aus Kunststoff oder Edelstahl verwendet.“

Seitenwände

„Seitenwände trennen den Schwimmbereich von der Regenerationszone. Sie enden in der Regel rund 30 Zentimeter unter der Wasseroberfläche. So ist ein Wasseraustausch gewährleistet, aber die Pflanzen können sich nicht ausbreiten. Die Seitenwände können gemauert werden. Als alternative Bauweise bietet sich eine Kombination aus Betonplatte am Boden, Holzgerüst als Wandkonstruktion und Folie als Abdeckung an.“

Gestein und Kies

„Bei der Auswahl unbedingt auf geprüfte Materialien achten, um die Wasserqualität nicht zu beeinträchtigen. Zum Beispiel kann Kies mit hohem Phosphorgehalt die Bildung von Algen fördern.“

Füllwasser

„In der Regel wird Leitungswasser eingefüllt. Vorab sollte das Wasser geprüft werden. Ist es nämlich sehr nährstoffreich, kann eine Aufbereitung notwendig sein, beispielsweise durch den Einsatz von Flockungsmitteln.“

Sicherheit

„Um die Unfallgefahr für Kinder zu senken, sollte das Grundstück abgegrenzt werden, etwa durch einen Zaun oder eine dichte Hecke. Weitere Maßnahmen wie ein Pool-Rollladen oder andere Abdeckungen sind zu empfehlen.“

Platsch ins kühle, klare Wasser

Kind schwimmt im Pool unter Wasser.
© Shutterstock

Die Wasserqualität sollte in etwa der von Trinkwasser entsprechen. Um dies sicherzustellen, müssen einige Punkte beachtet werden:

Überwachung

„Bei professionell geplanten Anlagen ist in der Regel keine dauerhafte Wasserüberwachung erforderlich. Bei Neuanlagen emp- fehlen sich jedoch eine Analyse des Füllwassers und weitere Kontrollen bei Inbetriebnahme, nach etwa sechs Monaten sowie im Folgejahr. Danach hat man Gewissheit, dass die Wasserwerte stabil bleiben.“

Nährstoffe

„Zusätzliche Nährstoffeinträge sollten möglichst vermieden werden. So kann Regenwasser, das von Rasenflächen oder Beeten ins Wasser fließt, die Wasserqualität erheblich beeinträchtigen. Damit so etwas nicht vorkommt, müssen Anlagen professionell geplant werden. Aber auch natürliche Einflüsse wie Saharastaub in der Luft oder Starkregen können die Wasserwerte verändern. Das ist normalerweise aber nur von vorübergehender Natur.“

»Eine dauerhafte Überwachung der Wasserqualität ist nicht erforderlich.«
Experte Norbert Gäng
Norbert Gäng
Biologe und Geschäftsführer der Balena GmbH

Tiere und Pflanzen

„Besonders Schwimmteiche ziehen Tiere an, darunter Libellen, Frösche und andere Amphibien. Das Einsetzen von Fischen ist nicht zu empfehlen, da ihre Fütterung die Nährstoffbelastung stark erhöht und die Funktionsweise des Teichs, die auf Nährstoff- beziehungsweise Phosphorlimitierung beruht, stören würde. Auch Enten können problematisch sein, da sie Überträger der Badedermatitis sind. Entenschreck-Systeme schaffen Abhilfe, zum Beispiel mit akustischen Signalen.“

Ein bisschen Pflege muss sein

Plitsch, platsch statt Algenmatsch: Natürlich geht es auch hier nicht ohne ein Mindestmaß an Reinigung und Pflege, auch wenn sich bei Schwimmteich und Naturpool vieles von selbst reguliert:

Grundlage

„Bei einer gut geplanten Anlage bleibt die Wasserqualität dauerhaft stabil. Das Wasser kann also langfristig genutzt werden, ohne dass es komplett ausgetauscht werden muss. Natürliche Reinigungsprozesse und eine durchdachte Technik sorgen für ein ökologisches Gleichgewicht.“

Regelmäßige Pflege

„Kleine Pflegeeinheiten sind deutlich effektiver als sporadische Großreinigungen. Schon zehn Minuten nach einem Badetag reichen oft aus. Zusätzlich können Reinigungsroboter eingesetzt werden. Wasserkante stets sauber halten, um Ablagerungen und Verunreinigungen zu vermeiden.“

Pflanzen stutzen

„Überschüssiges Pflanzenmaterial muss entfernt werden, um das Gleichgewicht im Teich zu halten. Alle Pflanzen – auch unter Wasser – sollten deswegen regelmäßig zurückgeschnitten werden. Schilf zum Beispiel kann je nach Wuchs ein- bis zweimal pro Saison geschnitten werden.“

Algen vermeiden

„Durch die Kombination aus sorgfältiger Planung und regelmäßiger Pflege wird das Algenwachstum minimiert. Treten dennoch starke Algenentwicklungen auf, empfiehlt sich eine Wasseranalyse, um die Ursache zu erkennen. Auch sollte in so einem Fall der Filter rückgespült werden.“

Filter reinigen

„Der Filter bei Naturpools muss regelmäßig gereinigt werden. Dazu gehört das Rückspülen, um angesammelte Schmutzpartikel auszuspülen. Gelegentlich sollte die Pumpe für eine gewisse Zeit abgeschaltet werden, damit der Filter vollständig regenerieren kann. So bleibt die Filterleistung dauerhaft hoch.“

teilen

DAS KÖNNTE IHNEN AUCH GEFALLEN

BELIEBT

Example