Frau öffnet mit Smartphone die Tür.

Was bringen intelligente Schließsysteme eigentlich?

Sind Smart Locks nur etwas für Technikbegeisterte oder bieten sie tatsächlich Vorteile gegenüber herkömmlichen Schlössern? Wir haben uns die Technologie näher angeschaut.

Eines vorweg: Auch konventionelle mechanische Schlösser leisten gute Arbeit und bieten Sicherheit. Doch warum sollte man sich dann ein Smart Lock anschaffen? „Smart Locks eignen sich besonders für Haushalte, in denen regelmäßig Dritte wie Untermieter, Putzkräfte oder Gäste Zugang benötigen“, sagt Martin Kilian vom Münchener Schlüsseldienst Kilian. Der größte Unterschied zwischen mechanischen und digitalen Schließsystemen liegt nämlich in der flexiblen Verwaltung der Zugriffsrechte. Smart Locks kommen ohne Metallschlüssel aus und lassen sich stattdessen beispielsweise per Schlüsselkarte, Smartphone oder Code entriegeln.

Geht ein solcher „Schlüssel“ verloren, kann er im Gegensatz zum Metallschlüssel einfach deaktiviert und ein neuer Zugang im System hinterlegt werden – ein klarer Vorteil gegenüber mechanischen Schlössern, bei denen im Falle eines Schlüsselverlusts das gesamte Schloss ausgetauscht werden muss. „Smart Locks ermöglichen es zudem, bestimmten Personen individuell und bedarfs gerecht Zugang zum Haus zu gewähren“, sagt Experte Kilian. Aber was passiert, wenn der Energiespeicher des Smart Locks leer ist oder die Schlüsselkarte vergessen wird? Bei Letzterem gibt es in der Regel eine alternative Methode, um die Tür doch noch zu öffnen, zum Beispiel per Smartphone-App.

Zitat von Martin Kilian

Was die Energieversorgung betrifft: Viele hochwertige Smart Locks verwenden Lithiumzellen. „Die halten in der Regel mehrere Jahre und senden rechtzeitig Warnsignale“, so Kilian. Oft ertönt ein Piepen, das immer lauter und länger wird. Laut Kilian sind die Fälle, in denen jemand wirklich nicht mehr ins Gebäude kommt, extrem selten, ihre Zahl liege schätzungsweise bei einem Fall unter 1.000.

Im Folgenden stellen wir verschiedene Smart Locks vor. Einige dieser Schlösser lassen sich per Zahleneingabe öffnen, andere per Sprachbefehl. Welches Smart-Lock-System zu welchem Haushalt passt, hängt wie so oft von persönlichen Vorlieben und Details ab.

Smartphone

Smartphone mit App zum Tür öffnen.
© GettyImages

Diese Smart Locks lassen sich über eine App auf dem Smartphone steuern. Wer vor der Tür steht, kann das Schloss mit wenigen Fingerbewegungen entriegeln. Auch aus der Ferne ist das möglich, was praktisch sein kann, um beispielsweise Gäste oder den Lieferdienst hereinzulassen. Der Austausch zwischen Smartphone und Schloss erfolgt in der Regel direkt über WLAN oder über ein zusätzliches Gerät, das zwischen Schloss und WLAN-Router geschaltet wird. Per Smartphone steuerbare Smart Locks lassen sich häufig in Smart-Home-Systeme integrieren.

 

Unser Experte sagt:

»Schlösser, die direkt über WLAN angebunden sind, verbrauchen aufgrund des ständigen Datenaustauschs viel Energie. Sie haben einen Akku anstelle von Lithiumzellen, der je nach Nutzung alle paar Wochen aufgeladen werden muss. Manchmal lassen sich diese Schlösser nur mit einem Handyladekabel aufladen, was bei einer Tür etwas unpraktisch ist.«

Fingerabdruck

Nahaufnahme eines Fingers.
© Shutterstock

Hier entriegelt sich das Smart Lock nur, wenn ein Scanner an der Tür den korrekten Fingerabdruck erkannt hat. In der Regel können mehrere Fingerabdrücke gespeichert werden, sodass auch mehrere Personen, wie etwa die Mitglieder einer Familie, das Schloss problemlos nutzen können. Diese Smart Locks bieten eine hohe Sicherheit, da jeder Fingerabdruck einzigartig ist, und sind komfortabel zu bedienen: Einfach den Finger auflegen und die Tür öffnet sich. Ein Nachteil kann der Preis sein: Diese Schlösser sind mitunter teurer als Smart Locks mit anderen Funktionsweisen.

Unser Experte sagt:

»Die Idee ist gut, aber die Erkennungsraten meiner Meinung nach noch zu gering. Hitze, Kälte, Trockenheit, Feuchtigkeit – das alles hat einen negativen Einfluss. Beim täglichen Gebrauch kann das schnell nerven.«

Sprachbefehl

Frau hebt grüßend die Hand und lächelt.
© GettyImages

Einige Smart Locks können über Sprachbefehle gesteuert werden, wofür sich auch die bekannten Sprachassistenten diverser Anbieter einspannen lassen. Die Funktionalität variiert jedoch stark je nach Modell. Während einige personalisierte Befehle zulassen, setzen andere auf Standardbefehle, was die Sicherheit beeinträchtigen kann. Denn wenn sich mit ein und demselben Befehl mehrere Schlösser öffnen lassen, ist das natürlich alles andere als optimal. Zumal die Stimmenerkennung mitunter nicht so zuverlässig funktioniert wie zum Beispiel der Scan eines Fingerabdrucks. Wie bei anderen Lösungen, die biometrische Daten verwenden, stellt sich auch hier die Frage nach einem ausreichenden Schutz der Daten.

Unser Experte sagt:

»Ich fühle mich sicherer, wenn meine persönlichen Daten nicht durch die Welt geschickt werden, sondern auf Servern in Deutschland gespeichert sind. Aus diesem Grund installieren wir ausschließlich Smart Locks von Herstellern aus dem deutschsprachigen Raum.«

Schlüsselkarte

Eine Hand öffnet mit einer Schlüsselkarte ein Türschloss.
© GettyImages

Smart Locks, die mit Karten oder Schlüsselanhängern – auch Fobs genannt – arbeiten, nutzen die RFID-Technologie (Radio-Frequency Identification). Das ist ein Funkverfahren, das Zugang gewährt, so bald ein berechtigtes Signal erkannt wird. In der Regel muss die Karte oder der Fob dazu an ein Lesegerät gehalten werden. Es gibt jedoch auch Systeme, bei denen die Karte oder der Fob zum Beispiel in der Tasche bleiben kann und das bloße Annähern zum Entriegeln führt. Die Zugangsberechtigungen lassen sich auch hier individuell anpassen, sodass bestimmte Personen nur zu gewissen Zeiten Zutritt erhalten. Sollte eine Karte verloren gehen, kann diese einfach im System deaktiviert und eine Ersatzkarte aktiviert werden.

Unser Experte sagt: 

»Man hört manchmal, dass bei RFID die Gefahr besteht, dass das Signal abgefangen und der Schlüssel geklont wird. Diese Systeme gibt es seit Jahrzehnten auf dem Markt und mir ist kein einziger Fall bekannt, in dem das passiert ist. Wenn ein Einbrecher in ein Haus hinein will, gibt es weitaus einfachere Methoden.«

Zahlencode

Eine Hand tippt einen Zahlencode auf einem Türschlöss ein.
© Shutterstock

Bei diesen Schlössern erhält nur derjenige Zutritt, der einen korrekten Code eingibt. Die Funktionsweise ist vergleichbar mit der Eingabe einer PIN-Nummer auf dem Smartphone. In der Regel können bei solchen Smart Locks auch temporäre Codes für Gäste oder Dienstleister erstellt werden, die immer nur für einen bestimmten Zeitraum gelten oder nach einem definierten Zeitpunkt automatisch gelöscht werden. So könnte beispielsweise die Putzkraft mit ihrem Code nur dienstags nachmittags ins Haus gelangen. Die Codes bestehen normalerweise aus einer frei wählbaren Zahlenkombination, die mehr oder weniger lang sein kann.

Unser Experte sagt: 

»Für mich persönlich ist die Zahleneingabe die komfortabelste Funktionsweise. Wer Schwierigkeiten hat, sich Zahlen zu merken, sollte zu einem Modell greifen, das auch Buchstaben auf den Tasten hat – ähnlich wie bei einem Festnetztelefon.«

Automatisiert

Eine Frau zieht ein Smartphone aus ihrer Handtasche.
© GettyImages

Hierbei ent- oder verriegelt sich das Smart Lock je nachdem, wo sich gerade der Schlüssel befindet. Als Schlüssel fungiert in der Regel das Smartphone, das sogar in der Tasche bleiben kann, wodurch diese Funktionsweise einen Zeitgewinn gegenüber anderen Smart Locks verspricht. Die automatische Erkennung kann über Bluetooth erfolgen, wobei das Schloss reagiert, sobald sich das Smartphone in der Nähe befindet. Eine andere Möglichkeit ist die Nutzung eines Geofences, einer virtuell gezogenen Grenze um das eigene Heim. Dadurch erkennt das System mithilfe von GPS, WLAN und Mobilfunkdaten, dass der Nutzer das Haus verlassen hat oder betreten will. Solche automatisierten Lösungen sind häufig Bestandteil von Smart-Home-Systemen.

Unser Experte sagt: 

»Die Erkennung per Bluetooth funktioniert meiner Erfahrung nach zuverlässig und ist zudem einfach einzurichten. Extra einen Geofence zu definieren, erscheint mir hingegen etwas zu umständlich, um letztlich dasselbe damit zu erreichen.«

Porträt von Martin Kilian.

Unser Experte

Martin Kilian ist einer der Geschäftsführer des Münchener Schlüsseldiensts Kilian und ein Experte für Schlösser – sei es in klassisch- mechanischen oder smarten Varianten. Sein traditionsreiches Unternehmen zählte unter anderem schon den Bayerischen Landtag, den Bayerischen Rundfunk sowie die Kliniken der Universität München und Großhadern zu seinen Kunden.

Tipp: Hochwertige Smart Locks von Herstellern aus dem deutschsprachigen Raum

Übersicht von verschiedenen Smart Locks auf dem deutschen Markt.

1. Smart Lock Pro von Nuki

Preis: ab 269,00 €*
Erkennt das Smartphone bei der Annäherung und öffnet oder schließt die Tür dann automatisch.

Aus Österreich

2. evolo smart von Dormakaba

Preis: ab ca. 500 €*
Steuert den Zutritt zum Haus mittels einer App. Über die App lassen sich auch Zutrittsrechte verwalten.

Aus der Schweiz

3. Loxeris One von Abus

Preis: ab 199,96 €*
Ein Fingertipp in der App reicht, um die Haustür zu öffnen oder zu verriegeln.

Aus Deutschland

* zzgl. Montage

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